Das Staatstheater Kassel – Ein Theater mit Tradition
Das Staatstheater Kassel versteht sich mit seinen rund 500 festen Mitarbeitern als ein moderner Theaterbetrieb, der sich gleichermaßen der Tradition wie der Moderne verpflichtet fühlt. 30 Neuinszenierungen in den Sparten Musiktheater, Schauspiel, Tanztheater, Kinder- und Jugendtheater, dazu die Sinfonie-, Sonntags-, Kammer-, Familien-, Schüler- und Sonderkonzerte bilden Jahr für Jahr das große Angebot. Darüber hinaus sorgt ein umfangreiches theater- und konzertpädagogisches Programm für die Vermittlung an Kinder und Jugendliche.
Der Rummel und die Fahrgeschäfte sind von 14 bis 18 Uhr und von 18 bis 22 Uhr geöffnet, die theatralen Aufführungen beginnen jeweils um 15 und um 19 Uhr
... Dreams are my reality … Ein Theaterstück auf dem Rummel? Ein Theaterstück auf dem Rummel! Das Staatstheater Kassel lädt ein zum sommerlichen Spektakel frei nach William Shakespeare. Zum Neustart der Schauspielsparte entführen Sie bildende Künstler:innen und Darsteller:innen in Shakespeares legendären Zauberwald, in dem die Alltagsregeln ausgehebelt werden. Die Tradition des Jahrmarktstheaters erwacht zu neuem unerwarteten Leben. Der gesamte Rummel ist Bühne und Ausstellungsort: Sobald Sie durch die Tore kommen, sind Sie Teil der Attraktion.
Zwischen Schauspielhaus und Ottoneum – jenem Ort, wo Schausteller erstmalig sesshaft wurden – trifft Shakespeares Stück auf die Vergnügungslust unserer Zeit, greift in unsere Gegenwart und wird von dieser überschrieben. Rummel, Theater und bildende Kunst verschmelzen zu einer außergewöhnlichen Form des Erzählens, zu einer theatralen Erfahrung zwischen Zuckerwatte und Autoscooter. Ein rauschhaftes Erzählen, das der Lebensfreude der Jahrmärkte verpflichtet ist. Spüren Sie, was passiert, wenn Theater, Oper und Tanz mitten in den Rummel greifen!
Der Theatrale Jahrmarkt ist eine Kooperation des Staatstheaters Kassel mit Schellbergs Veranstaltungsbetrieben und wird in Zusammenarbeit mit Bewegungsperspektiven für Licht, Kunst und Kultur e.V., dem Naturkundemuseum im Ottoneum und zahlreichen weiteren Partner:innen realisiert.
Im Ticketpreis zusätzlich enthalten ist vier Mal die Nutzung von Attraktionen wie Autoscooter, Schießbude, Kettenkarussel und vielem mehr. Ein außergewöhnliches Theatererlebnis für Jung und Alt, ein Kunstrummel für alle.
Regie: Alexander Eisenach
Choreographie: Ilana Reynolds
Bühne und Kostüme: Sibylle Pfeiffer
Dramaturgie: Sara Dec
Mit: Ensemble Schauspiel, Ensemble Musiktheater, Tänzer:innen von TANZ_KASSEL, PLUS-Ensemble
Termine
Fr 28.8.2026, 19:00 - Fr 4.9.2026
Fr 28.8.2026, 20:00 | Premiere
Sa 29.8.2026, 15:00 - Fr 4.9.2026und weitere Termine
Sa 5.9.2026, 12:00 - 22:00
So 6.9.2026, 15:00
So 6.9.2026, 19:00
mit Texten von Reisenden, Sarah Franke und Ensemble
Premiere: 4.9.2026
Hello hello, turn your radio on.
Ist da jemand, da draußen?
Dieser Radiocoaster ist ein Theaterstück. Und zugleich die erste Sendung. Wir senden live. Wir senden aus verschiedenen Jahren. Wir senden von der Bühne.
On air wird moderiert, aus Archiven gelesen, Thomas Mann spricht zu den Deutschen Hörern, dazwischen: Musik. Die Kasselänerin Elisabeth Selbert, eine der vier Mütter des Grundgesetzes kämpft unermüdlich für die Formulierung des Artikel 3: Männer und Frauen sind gleichberechtigt.
Off air und on stage gehen Beziehungen in die Brüche, Geschichten entwickeln sich parallel – das kleine Leben neben dem großen Rauschen. Doch die Außenwelt dringt nach und nach in das Studio ein; Geschichten, Schicksale, Zeiten überlagern sich, kippen ineinander. Lieder werden zu Szenen. Szenen werden Realität. Realität wird wieder Radio.
Someone found a letter you wrote me on the radio.
Ein Brief. Ein Geständnis, das eigentlich privat war – und plötzlich öffentlich. Liebe wird verlesen. Gefühle werden ausgestrahlt. Familienkonstruktionen entstehen und zerfallen zwischen Nachrichtenmeldungen und Jingles. Politik unterbricht Intimität. Intimität unterwandert Politik.
Radio, live Transmission.
Das Radio war immer ambivalent. Es war mehr als Unterhaltung: Es war Warnsystem. Zuflucht. Liebesbote. Widerstand. Radio Free Europe. Zensierte Stimmen. Ein Sprachrohr für Propaganda. Und gleichzeitig der Ort, an dem ein Lied spielte, das man nie vergessen hat.
This won’t be played on your radio tonight.
Genau hier beginnen die Lücken. Das Ungesendete, was nur im Live-Raum, auf unserer Bühne passieren kann.
Dance, dance, dance to the radio.
Joy Division trifft Donna Summer. R.E.M. trifft Shakespears Sister. Kitsch wird ernst genommen.
End of beginnings, ich fühls! ist ein Abend über Zeit und Gleichzeitigkeit. Über Liebe und Kampf. Über Exil und Zuhause. Über Stimmen, die gehört werden – und über jene, die verschwinden.
Turn the volume up.
Vielleicht hören Sie etwas, das Sie schon lange gesucht haben.
Regie: Sarah Franke
Choreographie: Gili Goverman
Bühne: Ann-Christine Müller
Kostüme: Bettina Werner
Sounddesign (bis Premiere): Rahel Hutter, Ariel Victor Schlichter
Licht: Oskar Bosman
Dramaturgie: Laura Ellersdorfer
Termine
So 30.8.2026, 16:30 | Voraufführung
Fr 4.9.2026, 19:30 | Premiere
So 6.9.2026, 19:30und weitere Termine
Di 8.9.2026, 19:30
So 13.9.2026, 18:00
Mi 16.9.2026, 19:30
Fr 25.9.2026, 19:30
Bewertungen & Berichte End of beginnings, Ich fühls!
Schauspiel
Zur schönen Aussicht
von Ödön von Horváth
Premiere: 6.9.2026
"Ich bin nämlich eigentlich ganz anders, aber ich komme nur so selten dazu."
Die Lage ist schlecht. Nicht nur das Wetter, auch die Finanzen. Eine schöne Aussicht hatte hier schon lange niemand mehr. Der Hotelbesitzer Strasser und seine Mitarbeiter wären bereit für Gäste, doch es kommt niemand. Einzig die Baronin Ada von Stetten finanziert das Hotel mit ihrer Dauermiete – sie bezahlt die Männer für alles, was sie ihr so bieten. Alle wissen: Das geht nicht mehr lange gut, das Hotel steht kurz vor dem Bankrott.
Da steht auf einmal Christine vor der Tür! Im letzten Jahr hatte sie eine Affäre mit Strasser und da all ihre Briefe unbeantwortet blieben, möchte sie nun direkt vor Ort mit dem Vater ihres Kindes sprechen. Ohne sie auch nur zu Wort kommen zu lassen, vermuten Strasser und die Männer um ihn herum das Schlechteste. Sie denken, Christine möchte sich festsetzen, das Hotel an sich reißen, eine Heirat erzwingen. Deshalb schmieden sie einen gehässigen Plan, mit dem Strasser sich aus der Verantwortung ziehen und Christine loswerden kann. Aber Christine hatte ganz andere Pläne. Geld jedenfalls braucht sie nicht.
Da ist nun einerseits die marode, dem Untergang geweihte Gesellschaft im Hotel, die von vergangenen Zeiten träumt. Andererseits Christine, die keine Angst vor der Zukunft hat und die richtigen Fragen stellt. Sie scheint aus ihrer Zeit zu fallen, man könnte meinen, sie hätte mit bell hooks über Liebe gesprochen, mit Chimamanda Ngozi Adichie über die Stellung der Frau in der Gesellschaft, mit Virginies Despentes über all die Forderungen, die noch gestellt werden müssten und mit Emilia Roig über neue Beziehungsmodelle.
Vor knapp 100 Jahren scheiterte die Uraufführung von Zur schönen Aussicht leider an Geldmangel und konnte erst 40 Jahre später nachgeholt werden. Nun wagt die Regisseurin und Schauspielerin Katharina Marie Schubert einen Versuch, die Zeiten, die Aussichten und die Werte, die unser Leben heute bestimmen, neu zu beleuchten. Und vielleicht ergibt sich ja ein Moment von Kontakt, von Utopie und von Zukunft.
Regie: Katharina Marie Schubert
Bühne: Sibylle Pfeiffer
Kostüme: Celine Walentowski
Musik: Marcel Blatti
Licht: Stefanie Franke
Dramaturgie: Laura Kohlmaier
Termine
Di 1.9.2026, 20:00 | Voraufführung
So 6.9.2026, 20:15 | Premiere
Sa 12.9.2026, 20:15und weitere Termine
So 20.9.2026, 18:00
Ort
TiF - Theater im Fridericianum
Karl-Bernhardi-Straße
D-34117 Kassel
Am 30. August 2026 laden wir ein zu einem abwechslungsreichen Tag voller Kultur, Begegnungen und spannender Einblicke hinter die Kulissen. Auf dem Programm stehen wie immer Mitmachaktionen, Führungen, Kostümverkauf sowie Angebote für die ganze Familie. Lernt die Vielfalt unseres Theaters kennen und kommt mit Künstlerinnen, Künstlern und Mitarbeitenden ins Gespräch.
Ein Abend über 1968 und die Getty-Zwillinge von und mit Rainald Grebe
Die Kasseläner Zwillinge Jutta und Gisela treibt es raus aus der Provinz, bestenfalls direkt in die Geschichtsbücher — oder wenigstens in die Boulevardpresse. Im Trubel der 68er-Revolte zieht es das jugendliche Schwesternpaar vom Avantgardefilm in revolutionäre Zellen nach Bochum und Berlin. Nach kurzlebigen Ehen landen sie plötzlich in Rom, begegnen Filmgrößen wie Federico Fellini und verwickeln sich in ein spektakuläres Geiseldrama mit der italienischen Mafia um Paul Getty III, den Enkel des reichsten Mannes der Welt. Sie nehmen alle verfügbaren Drogen und prügeln sich in Hollywood um Bob Dylan. Sie meistern die Selbstinszenierung als It-Girls der 68er, bevor sie mit Rainer Langhans im sogenannten Harem „den Marsch durch die inneren Institutionen“ antreten, um sterben zu lernen.
Und (fast) genauso der Liedermacher und Kabarettist Rainald Grebe: aus der rheinischen Provinz ohne Kohle nach Berlin. Nach vielen Alben, Konzertreisen auf der ganzen Welt und überlebten Schlaganfällen steht er live auf der Bühne im Kasseler Schauspielhaus und spürt nach, was jetzt bleibt von der nie geschehenen Weltrevolution einer sterbenden Generation. Mit Liveband, Geräuschemacherei und jungen Filmschaffenden reflektiert er Anfang und Ende jenes langen Marschs, vom Underground über Umwege ins Altersheim.
Regie: Tom Kühnel
Bühne: Jürgen Lier
Kostüme und Objekte: Janna Skroblin
Musik: Jens-Karsten Stoll
Geräuschemacherin: Mareike Trillhaas
Licht: Brigitta Hüttmann
Video: Lorenz Dauber
Projektidee: Patricia Nickel-Dönicke
Dramaturgie: Alexander Olbrich, Felix Linsmeier
Bewertungen & Berichte Revolution ist machbar, Herr Nachbar!
Tanz
Lets talk about Trance
Transmuted Symphony
In der Saison 2024/25 setzt TANZ_KASSEL die TANZREIHE IM TIF mit SEASON 4 fort.
In Let’s Talk About Trance setzen sich die Tänzer:innen von TANZ_KASSEL mit Punk, Trance und Ritual auseinander – Eine choreografisch-tänzerische Überwindung von Konventionen in der Engführung von Eros und Thanatos.
In Transmuted Symphony wird der performative Körper zu einem Gefäß, das eine Brücke zwischen dem Ätherischen und dem Körperlichen schlägt – auch eine Brücke zwischen Leben und Tod, zwischen Diesseits und Jenseits. Die Choreografin Andrea Peña entwickelt zusammen mit den Tänzer:innen von TANZ_KASSEL eine immersive Bewegungserzählung, ein Narrativ, das eine tiefgehende Analyse von Ritual und Trance aufzeigt, welches sich durch unterschiedliche Kulturen zieht, in der ihr eigenen, sehr körperlichen und hoch athletischen choreografischen Handschrift. Andrea Peña benennt den Prozess der Kreation als „Punk as the new sublime“ und stellt konventionelle Ästhetik in Frage, indem sie rebellische Energie in die Choreografie einfließen lässt und das universelle Thema der Wiedergeburt aufgreift – eine vielleicht notwendige Entwicklung in unserer kulturellen Landschaft und auch in der Welt des Tanzes. Der Tanz wird zu einer Leinwand, auf der sich das Alte auflöst und Platz für das Entstehen zukunftsweisender Realitäten schafft. Die rohe und zeitgleich energetisch archaische Kraft des „Punk“, durchbricht etablierte Normen und Konventionen und erschafft ein kreatives Chaos.
„Widerstand, dargestellt durch die Körper der Performer:innen, wird zu einer Sprache der kollektiven Anmut – eine starke Kraft, die vereint und ermächtigt. Der Tanz entfaltet sich als eine Reihe von Poetries of Insistence, in denen jede Bewegung einen Vers darstellt, der die Dringlichkeit der Behauptung individueller und kollektiver Identitäten zum Ausdruck bringt. Lebendige Fresken subkultureller Realitäten beleben die Bühne und stellen eine zeitgenössische Landschaft verschiedener Gesellschaften dar. Die Formensprache traditionellen Tanzes und vor allem des Balletts, werden von mir in Frage gestellt, indem ich Geschlechternormen aufbreche und fließende Ausdrucksformen von Identität und Liebe zeige.“
Andrea Peña
Choreografie: Andrea Peña
Bühne und Kostüme: Sibylle Pfeiffer
Sounddesign: Coppélia LaRoche-Francoeur
Licht: Stefanie Dühr
Dramaturgie: Thorsten Teubl, Lars Gunnar Anderstam
Termine
So 30.8.2026, 20:15 | Wiederaufnahme
Fr 18.9.2026, 20:15
Ort
TiF - Theater im Fridericianum
Karl-Bernhardi-Straße
D-34117 Kassel
„Tanz ist die Mathematik der Bewegung zur Musik.“ (Robozee)
Mit Blossom & Decay widmet sich Robozee einem der grundlegendsten und doch tiefgründigsten Zyklen des Lebens – dem stetigen Wechsel von Wachstum und Verfall. Blossom & Decay zeigt den fragilen Kampf zwischen Individuum und Gemeinschaft, zwischen Kontrolle und Hingabe. Es thematisiert die paradoxe Schönheit des Lebens, die sich im Angesicht von Zerstörung und Verfall immer wieder neu entfaltet, nur um erneut in den Abgrund zu stürzen.
Robozee lässt in Blossom & Decay die pulsierenden Rhythmen des urbanen Tanzes auf das Spielzeitthema von TANZ_KASSEL stoßen, das japanische Konzept des Kaika (Ë“ü£). In einer Welt, die von Chaos, Zerstörung und sozialer Unruhe geprägt ist, wird der Moment der Blüte zu einem Symbol für die paradoxe Schönheit, die aus Dunkelheit und Vernichtung hervorgeht, um schließlich wieder in die Zerstörung zu führen.
Der Sound von Randomhype, alias Christian Düchtel, in Blossom & Decay ist mehr als nur ein klanglicher Hintergrund: Er wird zum Nährboden, auf dem sich der Tanz entfaltet. Elektronische, urbane und pulsierende Klänge verstärken den Zyklus von Wachstum und Verfall und machen ihn erlebbar. Diese musikalische Basis beeinflusst den Tanz und wird gleichzeitig von ihm geprägt, ähnlich wie die Umwelt das individuelle und kollektive Leben beeinflusst.
„Blossom & Decay lädt ein, die Vergänglichkeit des Lebens zu erkennen und zugleich den flüchtigen Moment von Schönheit und Aufblühen zu würdigen. Ich fordere das Publikum heraus, sich der Zerbrechlichkeit des Seins und der dualen Natur von Schönheit und Verfall bewusst zu werden. Dabei hinterfrage ich die Auswirkungen des Kapitalismus. Der Tanz wird so zu einer physischen Reflexion über das Werden und Vergehen im Kontext einer von kapitalistischen Interessen geprägten Welt.“ (Robozze)
Christian Zacharas alias Robozee ist eine prägende Figur der Tanz- und Improvisationsszene. Er ist eine feste Größe in der deutschen Hip-Hop- und Popping-Szene und trägt maßgeblich zur Weiterentwicklung dieser Kunstform bei.
Choreographie: Robozee
Bühne und Kostüme: Nuphar Barkol
Sounddesign: Randomhype
Licht: Stefanie Dühr
Video: Nuphar Barkol
Dramaturgie: Lars Gunnar Anderstam, Thorsten Teubl
Termine
Fr 11.9.2026, 18:00 | Wiederaufnahme
Do 24.9.2026, 18:00
Sa 26.9.2026, 11:00und weitere Termine
So 27.9.2026, 18:00
Mo 28.9.2026, 11:00
Ort
TiF - Theater im Fridericianum
Karl-Bernhardi-Straße
D-34117 Kassel
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Bewertungen & Berichte SEASON 5: Let’s Talk About Blossom & Decay
Schauspiel
König Lear
Eine Tragödie von William Shakespeare
in der Übersetzung und Bearbeitung von Thomas Melle
„Welche von euch liebt mich am meisten?“, fragt König Lear seine drei Töchter Goneril, Regan und Cordelia, um sein Reich nach dem beschworenen Liebesbekenntnis gerecht unter ihnen aufzuteilen. Doch er verrechnet sich: Ausgerechnet seine liebste Tochter Cordelia weist den Liebeswettbewerb zurück und fordert stattdessen Ehrlichkeit. Lear – außer sich vor Wut – verbannt sie und teilt sein Land unter den anderen beiden Töchtern auf. Bedingung: Er und sein Gefolge werden Monat für Monat abwechselnd von einer der beiden verpflegt und untergebracht. Doch Goneril und Regan sind dieser Forderung schnell überdrüssig, wollen ihn loswerden und entmachten ihn bei der erstbesten Gelegenheit. Der einstmals große König, gänzlich auf die nackte menschliche Existenz reduziert, verfällt zunehmend dem Wahnsinn, von allen verlassen – außer seinem Hofnarren. Da kommt Meldung aus Frankreich, dass die verbannte Cordelia ein Heer aufgestellt hat, um ihn zu retten und gegen die eigenen Schwestern zu kämpfen. Eine beispiellose Gewaltspirale wird in Gang gesetzt. An ihrem Ende sind alle tot. Fast.
Wie sieht es heute aus, wenn ein Herrscher abtritt und sein Land oder seinen Besitz der nächsten Generation übergibt? Ändern sich damit Machtstrukturen? Thomas Melle bleibt in seiner Bearbeitung zwar nah an der Handlung des Originals, verschiebt jedoch wichtige Akzente hin zu einem zeitgemäßen Generationenkonflikt und katapultiert das Stück auch sprachlich ins Heute, in eine Welt im Umbruch. In dieser Welt kämpfen verfeindete Lager mit Hilfe von „alternativen Wahrheiten“, niemand diskutiert miteinander, stattdessen ringen alle hasserfüllt um Deutungshoheit. Doch was hält die Weltgemeinschaft noch zusammen, wenn sie von keiner gemeinsam geteilten Wahrheit mehr getragen wird?
In der Regie von Lars-Ole Walburg, bekannt in Kassel unter anderem als Regisseur von Singletreff (UA), Auf Wache (UA) und Der Funke Leben (UA), entwickelt sich Shakespeares grausame Tragödie zu einem düsteren Sinnbild für unsere moderne Gesellschaft, in der sich verschiedene Weltanschauungen und Realitäten ohne Kommunikationsbereitschaft unversöhnlich gegenüberstehen – und Machtgier die einzige Konstante bleibt.
Regie: Lars-Ole Walburg
Bühne: Maria-Alice Bahra
Kostüme: Maria Walter
Musik (auch Live): Martin Engelbach
Licht: Brigitta Hüttmann
Projektidee: Patricia Nickel-Dönicke
Dramaturgie: Alexander Olbrich
In Kooperation mit dem Fachgebiet Literaturwissenschaft Anglistik und Amerikanistik der Universität Kassel.
Eine theatrale Videoinstallation von Bert Zander - gemeinsam mit Kasseler Bürger:innen
„Meine Ruh ist hin“ – einer der Sätze, die bleiben, wenn man sich den Zitatenschatz aus Goethes Faust vergegenwärtigt. Ein Zitat, das das Dilemma Margaretes, genannt Gretchen, widerspiegelt. Der wohlsituierte Gelehrte Dr. Heinrich Faust hingegen ist in der Sinnkrise, verjüngt durch den Bund mit Mephisto drängt es ihn immer weiter zu weltbewegenden Abenteuern und ganz nebenbei zieht ihn das „Ewig Weibliche“ an. Heinrich ist hin- und hergerissen und sucht den Lärm der Welt. Und Gretchen?
Goethe hat den realen Fall der Kindsmörderin Susanna Margaretha Brandt (1771) in Frankfurt verfolgt, parallel entstand sein Urfaust , der die althergebrachte Faust-Geschichte nunmehr um die Gretchentragödie ergänzt. Angesiedelt zwischen sozialer Situation und tragischer Liebesgeschichte erzählt sie das reale, fatale und ausweglose Schicksal einer jungen Frau jener Zeit. Nicht nur Faust und sein Begehren, sondern die gewaltigen Umstände der Zeit bringen Gretchen zu Fall. Frauen wie Gretchen waren meist unausgebildet, unwissend, abhängig und bedroht von Armut und Elend.
Welche Spuren hinterlässt Fausts Vorwärtsdrängen im Leben Gretchens, die in bürgerlichen, aber doch ärmlichen Verhältnissen lebt? Welche Chance hatte sie im Leben und wäre ein sozialer Aufstieg überhaupt möglich gewesen? Eine junge Frau zwischen Begehren, Selbstbehauptung und sozialem Zwang auf der einen Seite und Bürger:innen auf der anderen Seite, die Gretchens Geschichte zu kennen glauben und sie aus ihrer Perspektive nacherzählen. Für Ihre Rolle als Gretchen war Emilia Reichenbach 2022 für den Gustav Rühle Preis nominiert.
„Es ist Zeit, dass wir uns auf den Weg machen Gretchen 2021 ihre Würde zurückzugeben“, so Bert Zander, Regisseur und Videokünstler. Seine bisherigen Arbeiten an der Schnittstelle zwischen Videokunst und Theater waren u. a. an der Volksbühne Berlin, am Thalia Theater Hamburg und am Burgtheater Wien zu sehen. 2020 realisierte er für 3sat / ZDF Camus’ Die Pest als theatrale Miniserie.
Eine Kooperation mit der Fördergesellschaft Staatstheater Kassel e. V.
Musikalische Stückentwicklung von Dominique Schnizer
Kassel, 2006: Mit nur 41 Jahren verstirbt Markus Zimmer an Multiorganversagen. Freund:innen und Familie konnten ihn nicht vor seiner Sucht retten. Ein genialer Musiker, ein sensibler Mensch, bekannt für seinen Geschlechterklischees unterwandernden Stil, sein ausschweifendes Leben und seine Musik.
„Feels like I’m in heaven, oh I feel so fine. If you were only here my friend, you would have a real cool time.“
Markus Zimmer, genannt Zimbl, war der charismatische Frontmann der Punkband The Bates, die mit ihren eingängigen Melodien sowie rotzigen Coverversionen bekannter Poptitel die deutsche Musikszene der Neunziger Jahre und der Jahrtausendwende prägten - weit über Nordhessen hinaus.
„You forgot to kick some asses, you forgot to kick some asses…“
In einem Motel zwischen Eschwege und Phoenix: Seltsame Gäste weht es in einer Gewitternacht in das Bates Motel: einen Schlagzeuger, lädiert durch einen Autounfall, einen Priester mit einem geheimnisvollen Koffer, eine mysteriöse Geschäftsfrau auf der Flucht. Was wollen sie von dem schüchternen Rezeptionisten? Und wer ist die seltsame Frau mit dem Messer…? Alfred Hitchcocks Film Psycho war die Inspiration für den Namen der Band, die der junge Zimbl und seine Freunde Klube, Armin und Pogo - zu denen später noch Reb und Dully stießen – gründeten.
20 Jahre nach Zimbls Tod inszeniert und schreibt Regisseur Dominique Schnizer einen Theaterabend über Zimbl, mit Erinnerungen seiner Freund:innen und Wegbegleiter:innen und der unsterblichen Musik der Bates. Und auch der fiktive Namensgeber der Band hat einen Auftritt. Verbunden in ihrer Einsamkeit begegnen Norman Bates und Zimbl ihren inneren Dämonen. In einem Motel irgendwo zwischen Eschwege, Hessen und Phoenix, Arizona durchleben sie noch einmal die entscheidenden Momente ihrer eigenen komplizierten Geschichte.
„Feels like I’m in heaven“
In Kooperation mit Scheibenbeisser – Hessens großer und unabhängiger Schallplatten- und CD-Laden.
Musikalische Stückentwicklung von Dominique Schnizer
Regie: Dominique Schnizer
Bühne und Kostüme: Christin Treunert
Musik (auch Live): Augustin Zimmer
Projektidee: Patricia Nickel-Dönicke
Termine
Mi 23.9.2026, 20:15 | Wiederaufnahme
Sa 26.9.2026, 20:15
Ort
TiF - Theater im Fridericianum
Karl-Bernhardi-Straße
D-34117 Kassel
Eine musikalische One-Man-Show von und mit Justin Hibbeler
Die lodernden Geschichten von Sünde und Erlösung kommen aus Radio und Bibel: sie schlagen Funken in gebietender Predigt und lockendem Pop. Ein verlorener Sohn, Jerry Lee Lewis, stürmt aus der tiefsten Provinz ins nationale Rampenlicht, heiratet heimlich seine 13-jährige Cousine, die nur eine seiner insgesamt sieben Frauen sein wird, und wird verdammt. Jahre später beobachtet ein Nachtwächter von Graceland – dem Anwesen von Elvis Presley –, wie sich ein 76er Lincoln Continental schnarrend durch den Kies der Zufahrt gräbt und nach einer letzten Beschleunigung das Tor rammt. Der Fahrer ruft mit einer Stimme ebenso schallenden Chroms: „I want to see Elvis! Just tell him, the killer’s here.“
Justin Hibbeler spielt, singt und erzählt die Story von Jerry Lee Lewis, die auch die Geschichte des Rock ’n’ Roll selbst ist und davon, wie Lewis Schwarze und weiße Musik zusammengebracht hat. Entlang der hämmernden und schmachtenden Songs geht dieser Abend auf eine Reise durch trübe Swimmingpools, schwitzige Tanzsäle und die britische Klatschpresse. Das Ende ist nah, die Hölle heiß.
Great Balls of Fire! – Die Jerry Lee Lewis Story, von unserem neuen Ensemblemitglied Justin Hibbeler, ist eine Übernahme des Landestheater Tübingen. Dort hatte es 2023 Premiere. Wir haben die
Produktion nun nach Kassel geholt, wo sie wechselnd im Theaterstübchen und im TiF zu sehen sein wird.
Regie: Justin Hibbeler
Mitarbeit Regie: Olivia Müller-Elmau
Bühne und Kostüme: Sibylle Pfeiffer
Dramaturgie: Carlotta Huys
Dramaturgie Wiederaufnahme: Alexander Olbrich
Termin
Mi 30.9.2026, 20:15
Ort
TiF - Theater im Fridericianum
Karl-Bernhardi-Straße
D-34117 Kassel
Great Balls of Fire! - Die Jerry Lee Lewis Story bewerten:
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Bewertungen & Berichte Great Balls of Fire! - Die Jerry Lee Lewis Story
Schauspiel
Raststätte Jammertal
Eine poetisch-politische Erforschung nach Heinrich Heines Deutschland. Ein Wintermärchen
„Ein neues Lied, ein besseres Lied,
O Freunde, will ich euch dichten!
Wir wollen hier auf Erden schon
Das Himmelreich errichten.“
Das schreibt der berühmte Dichter Heinrich Heine in seinem Versepos Deutschland. Ein Wintermärchen, als er 1843 in sein geliebtes, sein gehasstes Deutschland reist, um seine Mutter zu besuchen. Schon seit zwölf Jahren lebt er im französischen Exil und hat Sehnsucht nach der Heimat: Heine, der Jude, der Christ, der Deutsche, der Franzose, der Romantiker, der Erotiker, der ironische Überwinder der Romantik – und der politische Schriftsteller.
Der Freund von Marx und Engels erhofft sich eine emanzipatorische Revolution für Deutschland und kann doch nicht die Augen verschließen vor allem, was dem im Wege steht und was er kunstvoll-spöttisch in seiner Dichtung besingt: den deutschen Korpsgeist, die Spießigkeit, die Schwermütigkeit, die Ordnungsliebe und die gar nicht so liebe Ordnung, die durch Gewalt und Zensur in seinem Geburtsland herrscht.
Und heute? Wo stehen wir in Bezug auf Heines Deutschlandkritik und seinem Ruf nach Veränderung angesichts der globalen Polykrisen, des allgemeinen Vertrauensverlustes in die Demokratie, der Rückkehr des Konservatismus, Autoritarismus, Chauvinismus, Populismus, Nationalismus, des universalen „Me First“, „Nation First“? Was ist aus Heines neuem Lied geworden? Singen wir wieder das alte?
Autor und Regisseur Alexander Eisenach lässt sich in dieser Stückentwicklung von Heines lyrischem Werk inspirieren, um nach Zonenrandgebiet (UA) und Anthropos Antigone (UA) seine poetisch-politische Erforschung deutscher Geschichte in Kassel fortzuschreiben und die Frage nach unserem ausgeprägten Sicherheitsbedürfnis, unseren Zukunftsängsten und reaktionären Sehnsüchten – der GERMAN ANGST – zu stellen. Und doch, trotz alledem:
„Gib dich zufrieden, Vater Rhein,
Denk nicht an schlechte Lieder,
Ein besseres Lied vernimmst du bald –
Leb wohl, wir sehen uns wieder.“
In Kooperation mit dem Institut für Germanistik der Universität Kassel und dem Sara Nussbaum Zentrum für Jüdisches Leben.
Regie: Alexander Eisenach
Bühne: Sibylle Pfeiffer, Carsten Rüger
Lichtdesign: Carsten Rüger
Kostüme: Bettina Werner
Sounddesign: Sven Michelson
Video: Oliver Rossol
Projektidee: Patricia Nickel-Dönicke
Animation: Sarah Franke
Dramaturgie: Alexander Olbrich
Beleuchtungsmeister: Oskar Bosman
In einem Mietshaus am Kanal, außerhalb der Stadt, wohnen Mutter und Tochter. Die Mieten steigen und auch auf alle weiteren Krisen in ihrem Leben reagiert die Mutter handlungsunfähig und lethargisch. Da helfen auch die Vorwürfe und Bemühungen ihrer Tochter Vera nicht.
Getrieben von (vererbten) traumatischen Erinnerungen überquert Vera den Kanal. Auf der gegenüberliegenden Flussseite ist die Welt eine andere. Es riecht nach Körpern, es wuchert, es ist … Abseits. Hier sorgen zwei Furien, Tine und Mascha, dafür, dass die Scham einen festen Platz bekommt. Sie greifen gesellschaftliche Tabus an, schlagen, prügeln und bringen so die innersten Abgründe der Menschen zum Vorschein.
Eine unheimliche und schöne Utopie. Käme es nicht zu diesem brutalen Zwischenfall in Garten Eden, als Matthias sich plötzlich einmischt.
Sina Ahlers, Autorin des Erfolgsstücks Milch & Schuld (UA), erhielt für Schamparadies den Autor:innenpreis des Heidelberger Stückemarkts 2020.
In diesem Text, der nun am Staatstheater Kassel zur Uraufführung kommt, mischt Sina Ahlers knallhart Realismus und Expressionismus, Bildhaftes mit ihrer eigenen Direktheit. Mal entlarvend humoristisch, mal schmerzhaft radikal, befragt sie Status und Körper. In einer ganz eigenen Formsprache legt sie den schmalen Grat zwischen Intimität und sexuellem Missbrauch offen und blickt so der Scham und ihren Ursprüngen ganz schamlos ins Gesicht
In der Regie von Olivia Müller-Elmau, Regisseurin auf der Suche nach den widersprüchlichen zwischenmenschlichen Beziehungen und Gefühlen, werden Trauma und Scham, die, teils über Generationen hinweg, fest in den Körpern sitzen und dort wuchern, sinnlich erfahrbar.
In Kooperation mit Mädchenhaus Kassel 1992 e.V.
Regie: Olivia Müller-Elmau
Bühne und Kostüme: Julius Böhm
Sounddesign: Jens Kilz
Projektidee: Patricia Nickel-Dönicke
Soufflage: Camilla Colonna
Termin
Fr 2.10.2026, 20:15
Ort
TiF - Theater im Fridericianum
Karl-Bernhardi-Straße
D-34117 Kassel
„Es war einmal …“ In regeläßigen Abständen lesen wir euch aus unseren und euren Lieblingskinderbüchern vor. Kommt dazu und taucht mit uns ein in die wunderbare Welt der Bücher.
Wann bist Du einsam? Fühlen Sie sich oft allein? Hat die Einsamkeit etwas mit dem Alter zu tun? Sind Kinder weniger einsam als alte Menschen?
Als erstes Land weltweit ruft Großbritannien 2018 ein Ministerium für Einsamkeit ins Leben. 2023 beschließt in Deutschland das Bundeskabinett die Strategie der Bundesregierung gegen Einsamkeit. In die Strategie sind alle Altersgruppen und alle Menschen, die von Einsamkeit betroffen sein können, eingeschlossen. In der Beschreibung dazu heißt es: „Das Gefühl der Einsamkeit kann in jedem Alter und in jeder Lebenssituation entstehen. Millionen Menschen in Deutschland fühlen sich einsam.“ Doch was kann man der Einsamkeit entgegensetzen? Welche Orte sind Orte der Begegnung, der Gemeinsamkeit?
In der JUST+ Werkstatt öffnet das TiF – Theater im Fridericianum seine Türen und lädt dazu ein, zuzuhören, zuzuschauen, mitzudenken, mitzumachen und Teil eines Gesamtkunstwerks zu werden. Mit Mitteln der (Darstellenden) Kunst wird das Thema Einsamkeit und sein Bezug zur Natur und dem Zustand der Welt erforscht. Das Aufeinandertreffen von jungen und alten Perspektiven wird dokumentarisch festgehalten.
Gruppen können die Werkstatt-Slots am Vormittag und am Abend wie Vorstellungen buchen. Eine Vorbereitung ist nicht nötig.
Projektleitung und künstlerische Leitung: Barbara Frazier
Ausstattung und künstlerische Leitung: Jade J. Boeckh
Video und künstlerische Mitarbeit: Sylwester Pawliczek
Dramaturgie und künstlerische Leitung: Bernadette Binner, Carlotta Rogge
Theaterpädagogische Mitarbeit: Sandra van Westen
Termin
Sa 5.9.2026, 16:00
Ort
TiF - Theater im Fridericianum
Karl-Bernhardi-Straße
D-34117 Kassel
Das Staatstheater Kassel – Ein Theater mit Tradition
Das Staatstheater Kassel versteht sich mit seinen rund 500 festen Mitarbeitern als ein moderner Theaterbetrieb, der sich gleichermaßen der Tradition wie der Moderne verpflichtet fühlt. 30 Neuinszenierungen in den Sparten Musiktheater, Schauspiel, Tanztheater, Kinder- und Jugendtheater, dazu die Sinfonie-, Sonntags-, Kammer-, Familien-, Schüler- und Sonderkonzerte bilden Jahr für Jahr das große Angebot. Darüber hinaus sorgt ein umfangreiches theater- und konzertpädagogisches Programm für die Vermittlung an Kinder und Jugendliche.